Feuerwehr und „144 Notruf NÖ“ unter einem Dach

Anfang des Jahres 2013 wurde durch den NÖ Landesfeuerwehrverband ein neues Einsatzleitsystem getestet. Und wieder war die Bezirksalarmzentrale Mödling, diesmal gemeinsam mit Amstetten und Krems, an diesem Testbetrieb beteiligt. Im April desselben Jahres erfolgte durch die Stadtgemeinde Mödling ein Zubau an das bestehende Feuerwehrhaus. Am 27. 9. 2013 konnte schließlich im neuen Zubau eine hochmoderne Einsatzleitzentrale für die Feuerwehren des Bezirkes Mödling eröffnet werden. Vielen europäischen und internationalen Beispielen folgend, hat im selben Zubau zugleich auch die Rettungsleitstelle des Landes Niederösterreich („144 Notruf NÖ“) als Mieter Einzug gefunden, wodurch die Zusammenarbeit der Feuerwehr-Einsatzzentrale und der Rettungsleitstelle – trotz einer weiterhin organisatorischen und administrativen Trennung – zeitlich verkürzt und vereinfacht wurde.

 

 

Ausgebildet und zertifiziert

Im selben Jahr haben alle Disponenten der Bezirksalarmzentrale, sowie auch die seitens des Kommandos dafür Verantwortlichen, BR Lichtenöcker und VI Hauser, die international anerkannte Zertifizierungsprüfung zum „Emergency Fire Dispatcher (EFD)“ abgelegt – damals als erste hauptberuflich Bedienstete einer Feuerwehr-Bezirksalarmzentrale in ganz Niederösterreich. Grundlage dieser Ausbildung ist ein genormtes und zeitlich optimiertes Abfrageprotokoll für Notrufe, das einen Zeitgewinn zwischen der Meldung des Notfalls und der Alarmierung der Einsatzkräfte bringt. Um auf dem aktuellen Stand der internationalen Erkenntnisse zu bleiben, müssen die EFDs außerdem alle zwei Jahre eine Rezertifizierung durchführen.

 

Professionelle Organisation rund um die Uhr

Die fünf Disponenten der Bezirksalarmzentrale Mödling versehen einen Schicht- und Wechseldienst zu je 12 Stunden, von 7 Uhr bis 19 Uhr sowie von 19 Uhr bis 7 Uhr, 365 Tage im Jahr. Außerdem stehen im Regelfall zwei weitere vollwertige Disponenten zu den „Bürozeiten“ (Zeiten stärkeren Telefon- und Einsatzaufkommens) von Montag bis Freitag zwischen 8 und 16 Uhr bzw. zwischen 11 und 18 Uhr zur Verfügung, und zusätzlich kann mit freiwilligen Kräften (welche die gleiche Ausbildung besitzen) oder dienstfreien Disponenten jederzeit nochmals kurzfristig aufgestockt werden. Im Einsatzfall bringt dies zudem den Vorteil, dass ein Disponent „exklusiv“ einen oder mehrere aktive Einsätze betreuen kann, während der zweite z. B. das Tagesgeschäft (TUS-Probealarme, Anfragen, Besucher) übernimmt.

Tätigkeitsbereich

Und die Anzahl der Aufgaben ist in den vergangenen Jahren rasant angestiegen, hier ein Auszug:

  • Entgegennahme von Notrufen, Funk- und Amtsgesprächen
  • Alarmierung, Koordination und Unterstützung der Feuerwehren im Einsatzfall über Funk und Telefon, Verständigung weiterer Kräfte und Organisationen, Einsatztaktik
  • Bearbeitung aller Brandmelderauslösungen (TUS) und Probealarme, sowie Entgegennahme und Dokumentation von „Außer Betrieb“-Meldungen (schriftlich UND mündlich)
  • Entgegennahme Aufzugsnotrufe und Probealarme
  • Aufnahme und Bearbeitung oder Weitergabe von Schadstoff-Anfragen aller Art
  • Auskünfte über Garten-, Nutz- und Brauchtumsfeuer
  • Informationsstelle für die Feuerwehren des Bezirkes für feuerwehr-interne Auskünfte (personell, organisatorisch oder technisch)
  • Gegebenenfalls Anpassung der örtlichen Alarmpläne im Auftrag der zuständigen Feuerwehr für bestimmte Zeiträume (z.B. nicht einsatzbereite Fahrzeuge, Feuerwehrausflüge etc…)
  • Auskünfte über Brandsicherheitswachen bei Veranstaltungen oder brandgefährlichen Tätigkeiten
  • Servicestelle für die Feuerwehren, Dienststelen und Einwohner des Bezirkes Mödling bei verschiedensten Anfragen – sämtliche Notdienste, Behörden und Organisationen können rund um die Uhr über die Bezirksalarmzentrale bei der Feuerwehr Mödling erreicht werden:
    Gebrechendienste von Gas- und E-Werk, Kanalservice, Wasserwerk, Straßenmeisterei, ÖBB-Leitstelle, Bestattung, Schlüsseldienste, Öffentliche Beleuchtung, Installateur, Elektriker, Wasserrechtsbehörde (BH), Schädlingsbekämpfer, Rauchfangkehrer, Jagd- und Forstaufsicht, Bürgermeister und Gemeindevertreter, Tierärzte und viele mehr.

Mitarbeiter in der Alarmzentrale

Die primären Verantwortungsbereiche sind daher wie folgt auf die Disponenten der Bezirksalarmzentrale aufgeteilt:

  • Michael Pleininger (Dienstführender)
  • Michael Träumer (SB EDV und Einsatzleitsystem)
  • Wolfgang Freiler (SB Brandschutzpläne und TUS-Datenpflege)
  • Florian Ropez (SB Verwaltung und Administration)
  • Georg Fröschl (SB Einsatzleitsystem und Öffentlichkeitsarbeit)
  • Florian Eder (SB Alarmpläne und Einsatzleitsystem)

 

Auch im Bereich der Aus- und Weiterbildung ist gerade in der Bezirksalarmzentrale ein „Stillstand bereits Rückschritt“. Daher haben alle Disponenten – neben der berufsspezifischen Ausbildung am Einsatzleitsystem bzw. dem strukturierten Abfrageprotokoll – einen Englischkurs für Fortgeschrittene mit einem „Native Speaker“ zum Schwerpunkt Notrufabfrage absolviert. Gerade in unserem transitreichen Bezirk mit zahlreichen Industrie- und Handelsbetrieben, sowie dem größten Verkehrsknoten Österreichs und einem der größten Autobahnknoten in Europa, sind fremdsprachige Anrufer keine Seltenheit.

Daten und Fakten

Das starke Ansteigen der Tätigkeiten in der Bezirksalarmzentrale spiegelt sich natürlich auch in Zahlen wieder; hier ein Auszug aus den alarmierten Einsätzen der Bezirksalarmzentrale im vergangenen Jahr 2013:

  • 550 TUS- oder Infranet-Alarme
  • 570 Fahrzeugbergungen (Motorrad, PKW, LKW, schwere Bergung bzw. Autobahn-Bergung)
  • 130 Türöffnungen
  • 60mal Person(en) in Aufzug
  • 100 Auspumparbeiten + Wassergebrechen
  • 60 Sturmschäden
  • 70mal Beseitigen einer Benzin- bzw. Ölspur
  • 30 Zimmer-, Keller-, Küchen- und Wohnungsbrände
  • 60 Fahrzeugbrände (Motorrad, PKW, LKW)
  • 50 Menschenrettungen
  • 70 Brandverdachte
  • 90 Tierrettungen
  • 20 Kleinbrände
  • 30 Brandeinsätze Alarmstufe B3
  • 4 Brandeinsätze Alarmstufe B4

Weiters wurden knapp 200 Brandsicherheitswachen und mehr als 180 Übungen koordiniert, 85 Probealarmierungen für die Feuerwehren des Bezirkes durchgeführt und über 3200 Probealarme oder Störungen von Gefahrenmeldeanlagen (TUS bzw. Aufzugsnotruf) entgegengenommen und weiter bearbeitet.

Über 6000 Notrufe wurden angenommen, und dazu mehr als 7850 eingehende und über 5800 ausgehende Amtsgespräche geführt. Und dabei sind unzählige Funkgespräche, hausinterne Telefonate und der Empfang von Besuchern in der BAZ noch gar nicht eingerechnet.

Zusätzlich erfolgt über die Bezirksalarmzentrale auch die Alarmierung und Koordination der Sonderdienste und Spezialkräfte (KHD, Tauchdienst, Strahlenschutz- und Sprenggruppe des Bezirkes, Schadstoff-Beratungsdienst, Kranfahrzeug etc…), mitunter auch über die Bezirksgrenzen hinweg.

 

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