Nov 2012 

Reportage über die Bezirksalarmzentrale Mödling - Teil 1

„Notruf! Notruf! Notruf!“ – eine durchdringende Sprachaufzeichnung signalisiert dem Disponenten der Feuerwehr-Bezirksalarmzentrale Mödling, zusätzlich zum Läuten des multifunktionalen Telefonapparates, das Einlangen eines Notrufes. Binnen weniger Sekunden wird dieser entgegengenommen. „Bitte kommen Sie schnell, auf der Autobahn hat sich ein Fahrzeug überschlagen, die Airbags sind aufgegangen, da ist noch jemand drinnen!“ Die Uhr beginnt zu laufen, Sekunden werden wertvoll. Und der Disponent beginnt mit einer standardisierten Abfrage, die im Lauf der Jahre ständig erweitert und verbessert wurde und wird:

> Wo genau befindet sich der Unfallort? Welche Autobahn, welche Fahrtrichtung, welche Höhe oder Kilometrierung?

> Wie viele Verletzte oder beteiligte Fahrzeuge können Sie sehen?

> Brennt oder raucht eines der Fahrzeuge, treten Flüssigkeiten aus?

> Um welche Art von Fahrzeugen handelt es sich?

> Bitte geben Sie mir Ihre Rückrufnummer!

Michael Pleininger/Dienstführender und Alarmpläne BAZ

Nicht immer sind die Anrufer in der Lage, diese ersten und wichtigsten Fragen genau zu beantworten. Von „Bitte kommen Sie schnell, ich hab solche Angst!“ bis zu „ich bin auf der Gegenfahrbahn vorbeigefahren, ich weiß nicht mehr“ reicht die Palette der Antworten. Dennoch muss den Unfallopfern rasch und richtig geholfen werden. „Ich schicke Ihnen jetzt die Feuerwehr und den Rettungsdienst, bitte sichern Sie die Unfallstelle ab, wenn Ihnen das gefahrlos möglich ist.“ Mit diesen Worten beendet der Disponent vorerst den Notruf. Wer durch gezielte Fragen das Gespräch führt, gewinnt Zeit und besseren Überblick - für etwaige Rückfragen liegt die Nummer des Anrufers in der BAZ auf.

„Hier Florian Mödling um 13 Uhr 20, Menschenrettung auf der A2, Richtungsfahrbahn Graz, ca. 1 km vor der Raststation Guntramsdorf, 1 PKW nach Verkehrsunfall am Dach auf der linken Fahrspur – Ende!“ Diese oder ähnliche Sprachdurchsagen am Pager oder im Feuerwehrhaus sind den ca. 1612 Mitgliedern der 25 Freiwilligen und fünf Betriebsfeuerwehren unseres Bezirkes weitgehend bekannt. Und während sich diese schnellstmöglich zum Feuerwehrhaus begeben, laufen in der Bezirksalarmzentrale weitere Routinemaßnahmen an:

Mit wenigen Mausklicks wird der Einsatzbefehl mit genauen Einsatzangaben per Fax an die ausrückende Feuerwehr gesandt.

Der Rettungsdienst wird verständigt – nach kurzer Verifizierung des Einsatzortes stellt sich beim oben angeführten Beispielfall heraus, dass Notarzt und Rettungswagen bereits unterwegs sind (ein weiterer Autofahrer hatte zuerst den Rettungsnotruf gewählt).

Die Autobahnpolizei wird ebenfalls informiert und schickt eine Streife los.

Michael Träumer/SB Alarmierungs- und EDV-System sowie Netzwerk BAZ

Das Presseteam des Bezirksfeuerwehrkommandos wird gemäß Alarmplan bzw. dem Meldebild „Menschenrettung“ verständigt und schickt einen Mitarbeiter zur Einsatzstelle.

Während all dieser Maßnahmen läutet das Notruftelefon ununterbrochen weiter – andere Zeugen wollen den Unfall ebenfalls melden. Im Gespräch mit diesen Personen muss sichergestellt werden, dass vom gleichen Einsatzort die Rede ist, und sich nicht auf der Gegenfahrbahn aufgrund schaulustiger Autofahrer ein weiterer Unfall ereignet hat. Es wäre nicht das erste Mal…

Nach wenigen Minuten rückt die Feuerwehr zum Einsatz aus. Bei der Ausrückmeldung können dem Einsatzleiter bereits weitere wichtige Informationen mitgeteilt bzw. zur Sicherheit nochmals wiederholt werden:

„Hier Florian Mödling, Unfall ist auf der linken Fahrspur, 1 PKW am Dach, Notarzt und Autobahnpolizei sind auf Anfahrt.“

Erst jetzt nehmen die Notrufe vom Unfallort ab und es ist Zeit, die Alarmierungsprotokolle bzw. das Dienstjournal mit allen Detailinformationen zu ergänzen. Die „stressigen Minuten“ liegen vorerst hinter dem Disponenten - bis zum nächsten Notruf…

Wolfgang Freiler/SB Brandschutzpläne und TUS-Datenpflege BAZ

Was folgt, ist die Betreuung der eingesetzten Feuerwehr am Unfallort:

Im konkreten Beispiel wird nach Beendigung der Menschenrettung und Fahrzeugbergung noch die ASFINAG zur Fahrbahnreinigung benötigt; die BAZ verständigt diese und gibt dem Einsatzleiter darüber Rückmeldung. Ebenso können von den Feuerwehren – und auch von den Einwohnern – des Bezirkes sämtliche Notdienste, Behörden und Organisationen rund um die Uhr über die Bezirksalarmzentrale bei der Feuerwehr Mödling angefordert werden:

Gebrechendienste von Gas- und E-Werk, Kanalservice, Wasserwerk, Straßenmeisterei, ÖBB-Leitstelle, Bestattung, Schlüsseldienste, Öffentliche Beleuchtung, Installateur, Elektriker, Wasserrechtsbehörde (BH), Schädlingsbekämpfer, Rauchfangkehrer, Jagd- und Forstaufsicht, Bürgermeister und Gemeindevertreter, Tierarzt und viele mehr.

Alexander Hahn/SB Elektrotechnik und Telefonanlage BAZ

Die sechs Disponenten der BAZ Mödling versehen einen Schicht- und Wechseldienst zu je 12 Stunden, von 7 Uhr bis 19 Uhr sowie von 19 Uhr bis 7 Uhr, 365 Tage im Jahr. Die Anzahl ihrer Aufgaben ist in den vergangenen Jahren rasant angestiegen, hier ein Auszug:

> Entgegennahme von Notrufen, Funk- und Amtsgesprächen

> Alarmierung, Koordination und Unterstützung der Feuerwehren im Einsatzfall über Funk und Telefon, Verständigung weiterer Kräfte und Organisationen, Einsatztaktik

> Bearbeitung aller Brandmelderauslösungen (TUS) und Probealarme, sowie Entgegennahme und Dokumentation von „Außer Betrieb“-Meldungen (schriftlich UND mündlich)

> Entgegennahme Aufzugsnotrufe und Aufzugsnotproben

> Sprechstelle für Störungsmeldungen Schrankenanlage (Parkhaus), Schranken-Notsteuerung und Weitergabe der Störung an Fachfirma

> Aufnahme und Bearbeitung oder Weitergabe von Schadstoff-Anfragen aller Art

> Auskünfte über Garten-, Nutz- und Brauchtumsfeuer

> Informationsstelle für die Feuerwehren des Bezirkes für Feuerwehrinterne Auskünfte (personell, organisatorisch oder technisch)

> Gegebenenfalls Anpassung der örtlichen Alarmpläne im Auftrag der zuständigen Feuerwehr für bestimmte Zeiträume (z.B. nicht einsatzbereite Fahrzeuge, Feuerwehrausflüge etc…)

> Auskünfte über Brandsicherheitswachen bei Veranstaltungen oder brandgefährlichen Tätigkeiten

> Servicestelle für die Behörden, Institutionen, Dienststellen und Einwohner des Bezirkes Mödling bei verschiedensten Anfragen

Aufgrund dieses auch starken Anstiegs der organisatorischen Tätigkeiten wird die BAZ mittlerweile zu Bürozeiten (wann immer es aufgrund des Dienstplanes möglich ist) mit zwei Mann besetzt. Im Einsatzfall bringt dies zudem den Vorteil, dass ein Disponent „exklusiv“ einen oder mehrere aktive Einsätze betreuen kann, während der zweite das Tagesgeschäft übernimmt bzw. beim Einsatz unterstützt (im obigen Beispiel Entgegennahme weiterer Notrufe, während bereits die Alarmierung läuft).

Florian Ropez/SB Verwaltung, Organisation und Administration BAZ

Auch im Bereich der Aus- und Weiterbildung ist gerade in der Bezirksalarmzentrale ein „Stillstand bereits Rückschritt“. Daher haben im Frühjahr 2012 alle Disponenten einen Englischkurs für Fortgeschrittene mit einem „native speaker“ zum Schwerpunkt Notrufabfrage absolviert. Gerade in unserem transitreichen Bezirk mit zahlreichen Industrie- und Handelsbetrieben, sowie dem größten Verkehrsknoten Österreichs und einem der größten Autobahnknoten in Europa, sind fremdsprachige Anrufer keine Seltenheit.

Seit Mai 2012 sind zudem zwei Disponenten ausgebildete und zertifizierte „Emergency Fire Dispatcher (EFD)“ – als erste hauptberuflich Bedienstete einer Feuerwehr-Bezirksalarmzentrale in ganz Niederösterreich (bestehend seit 1973)! Grundlage dieser Ausbildung ist ein genormtes und zeitlich optimiertes Abfrageprotokoll für Notrufe, das einen Zeitgewinn zwischen der Meldung des Notfalls und der Alarmierung der Einsatzkräfte bringt. In naher Zukunft sollen alle Disponenten der BAZ diese Ausbildung und Zertifizierung ablegen, die auch alle zwei Jahre durch eine Prüfung erneuert werden muss.

Das starke Ansteigen der Tätigkeiten in der Bezirksalarmzentrale spiegelt sich natürlich auch in Zahlen wieder - hier ein Auszug von den alarmierten Einsätzen im vergangenen Jahr 2011:

> 650 TUS- oder Infranet-Alarme

> 430 Fahrzeugbergungen

> 220 Türöffnungen + Personen in Aufzug

> 120 Auspumparbeiten + Wassergebrechen

> 100 Sturmschäden

> 50 Brandeinsätze Alarmstufe B2

> 60 Menschenrettungen T2

> 60 Brandverdachte

> 60 Tierrettungen

> 25 Kleinbrände

> 15 Brandeinsätze Alarmstufe B3

Zusätzlich erfolgt über die BAZ auch die Alarmierung und Koordination der Sonderdienste und Spezialkräfte (KHD, Tauchdienst, Strahlenschutz- und Sprenggruppe des Bezirkes, Schadstoff-Beratungsdienst, Kranfahrzeug etc…), mitunter geschieht dies auch über die Bezirksgrenzen hinweg.

Georg Fröschl/SB Einsatzleitsystem und Öffentlichkeitsarbeit BAZ

Inzwischen ist der Arbeitstag für den Disponenten fast vorbei; es ist 18:30 und die Ablöse zur Nachtschicht wird in Kürze eintreffen. Das Dienstjournal am PC umfasst mittlerweile mehrere Seiten, denn neben den durchschnittlich 9 Alarmierungen pro Tag werden dort auch sämtliche Proberufe und Sirenenproben, TUS-Probealarme, Aufzugsalarme, Anrufe für Rettungsdienst oder Polizei, telefonische Auskünfte und natürlich auch sonstige Vorkommnisse in der BAZ vermerkt. Zusammen mit der Bearbeitung von E-Mails, Fax und persönlichen Anfragen ergibt das einen interessanten und abwechslungsreichen, aber auch sehr erfüllten 12-Stunden-Tag. Und morgen geht es in den Nachtdienst…

Lesen Sie demnächst im zweiten Teil unserer Berichterstattung über die Bezirksalarmzentrale: die Dienstübergabe, Zahlen und Fakten zu den technischen Einrichtungen der Bezirksalarmzentrale und die Mehrfachbesetzung im Extrem-Einsatzfall: "Wenn Einsatzabwicklung zur Fließbandarbeit wird …"

Bildautor: Florian Schützenhofer & Bernhard Singer/Pressestelle BFK Mödling

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