Mrz 2018 

FF Maria Enzersdorf

Tägliche, klirrende Kälte von rund -10 Grad, stellt nun seit fast einer Woche die wertvollen Güter, die Tiere und die Bevölkerung von Maria Enzersdorf vor eine große Herausforderung. Eisiger Wind, mit Geschwindigkeit von rund 50 km/h, lässt die Temperatur für gefühlte -25 Grad empfinden. Plötzlich und völlig unerwartet fällt der Strom aus. Nur Augenblicke später erfolgt auch schon die erste Alarmierung für die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Maria Enzersdorf.

Eine Person steckt, wegen des Stromausfalles, in einem Aufzug fest. Als die ersten Feuerwehrmitglieder das Feuerwehrhaus erreichen, müssen diese feststellen, dass sich die elektronische Schließanlage der Haupteingangstüre nicht öffnen lässt. Da ein manuelles Sperren nicht möglich ist, verschaffen sich die Einsatzkräfte vorerst den Zutritt über einen Nebeneingang des Feuerwehrhauses. In völliger Dunkelheit, aber großteils unter Zuhilfenahme eingebauter Taschenlampen in den persönlichen Smartphones, werden die Wege zur Garderobe und Fahrzeughalle gesucht, da keine Notbeleuchtung vorhanden ist. Doch bevor an ein Ausrücken zu denken ist, müssen die Ausfahrtstore auf manuellen Betrieb umgestellt werden. Nachdem nun schon viel wertvolle Zeit verstrichen ist, langt die nächste Alarmierung ein. Eine Hebeanlage funktioniert nicht mehr, wodurch Wasser in einen Keller eindringt. Dem nicht genug, kommt es aufgrund des Ausfalles einer Ampelanlage zu einem Verkehrsunfall. Trotz der Vielzahl an gleichzeitigen Hilfeleistungen verbleibt eine kleine Mannschaft im Feuerwehrhaus, um die Notstromversorgung herzustellen. Dazu wird ein Stromaggregat in Stellung gebracht und an die fixe Einspeisung angeschlossen, um die nötigsten Einrichtungen des Feuerwehrhauses mit Notstrom zu versorgen. Obwohl die Mitarbeiter des Energieversorgers seit Stunden an der Behebung des Problems arbeiten, sind inzwischen fünf stromlose Stunden vergangen. In den Wohnungen und Einfamilienhäusern wird es zunehmend immer kälter. Für Babys, Kleinkinder oder kranke Personen ein erstzunehmender und unzumutbarer Umstand. Deshalb suchen immer mehr Anwohner Schutz im Feuerwehrhaus. Kurzerhand wird der Lehrsaal zur Schlafstätte umfunktioniert und Notbetten samt Decken der Gemeinde aufgestellt. Zusätzlich stellt die Feuerwehr Heißgetränke zur Verfügung. Doch auch diese Kapazitäten reichen bald nicht mehr aus und die Marktgemeinde Maria Enzersdorf wird als Sicherheitsbehörde hinzugezogen. Eine weitere Einsatzmeldung sorgt nun allerdings für eine komplette Neuordnung der aktuellen Disposition der eingesetzten Kräfte. Eine Passantin erkennt durch die geschlossenen Fenster einer Nachmittagsbetreuung, regungslose Personen, darunter einige Kinder, auf dem Boden liegend und meldet dies über den Notruf 122 bei der Bezirksalarmzentrale. Hier waren Heizmaßnahmen mit Gasgeräten vorausgegangen, wodurch dieser Unfall aufgrund der herrschenden Kohlenstoffmonoxid-Sättigung in den Räumlichkeiten geschah.

Nach weiteren Stunden ohne Strom wird das Ausmaß offiziell als „Blackout“ definiert. Zu diesem Zeitpunkt neigen sich die Treibstoffreserven dem Ende zu. Doch wie kommt man nun an neuen Diesel, wenn keine Zapfsäule mehr funktioniert? Wie kommuniziert man mit Familienangehörigen, wenn der Handyakku leer ist? Oder gar das Mobilfunknetz ausfällt und auch das Internet plötzlich versagt?

Diese und noch viele andere Fragen stellten sich die Feuerwehrkräfte, nach dem interessanten Schulungsabend am 15. Februar 2018, in Zusammenarbeit mit dem NÖ Zivilschutzverband, zum Thema "Blackout", wodurch am 1. März 2018 die beschriebene, praxisbezogene Gesamtübung stattfand. Bis auf das Ausbilderteam kannte keines der Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Maria Enzersdorf den geplanten Übungsinhalt. Ein herzlicher Dank gilt allen Verantwortlichen sowie den freiwilligen Statisten zur realitätsnahen Umsetzung des Übungsablaufes, welcher hoffentlich niemals als Ernstfall eintreten wird!

Bildautor: Florian Zeilinger

 

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