Aug 2002 

Feuerwehren des Bezirkes Mödling leisteten wirkungsvolle Hilfe

Bei der Jahrtausend-Hochwasserkatastrophe in Niederösterreich, die in zwei Wellen über das Land hereingebrochen ist, standen bisher mehr als 800 Feuerwehrleute aus dem Bezirk Mödling mit 180 Fahrzeugen im Einsatz. Im Rahmen der 14. Bereitschaft des Katastrophenhilfsdienstes konnten die Einsatzkräfte in drei Bezirken rasche und effiziente Hilfe leisten. Die Zahl jener, die von den Feuerwehrkräften aus dem Bezirk Mödling aus überfluteten Gebieten gerettet bzw. evakuiert wurden, geht in die Hunderte.

Der seit den frühen 60er-Jahren bestehende Feuerwehr-Katastrophenhilfsdienstes hat seine bisher größte Bewährungsprobe bestanden!

Beginn des Katastropheneinsatzes

Der Katastropheneinsatz begann für die Feuerwehren des Bezirkes Mödling in der Nacht vom 7. auf 8. August 2002. Nachdem der Kamp und zahlreiche weitere Gerinne im Bezirk Krems und im Waldviertel über die Ufer getreten waren und Schneisen der Verwüstung durch dutzende Ortschaften gezogen hatten, wurde die 14. KHD-Bereitschaft vom Landesführungsstab NÖ. in den Raum Krems (Langenlois, Senftenberg und Rehberg) beordert.

144 Freiwillige Feuerwehrleute mit 42 Fahrzeugen brachten der von der Umwetterkatastrophe schwer geprüften Bevölkerung professionelle technische Hilfe. Überdies standen sie den Betroffenen, von denen viele vor den Trümmern ihrer Existenz stehen, auch psychologisch bei.

Einsatzbereiche am 8. u. 9. August 2002

Im Langenloiser Ortsteil Haindorf wurden mehr als 70 vom Hochwasser des Kampflusses in ihren Häusern eingeschlossene Personen, darunter mehrere Kleinkinder, mit Hilfe von Feuerwehrzillen gerettet. Besonders schwierig gestaltete sich die Rettung einer betagten Frau aus dem zweiten Stock. Dies war nur von außen über eine Leiter möglich. Die Frau wurde von den Feuerwehrleuten dem Roten Kreuz übergeben und anschließend ins Krankenhaus eingeliefert. Parallel zu den Personenrettungen wurden Pumparbeiten durchgeführt. Der Wasserstand in der überschwemmten Siedlung sank zunächst, in den späteren Nachmittagsstunden stieg er aber wieder an.

In der Ortschaft Senftenberg standen zahllose Keller unter Wasser und wurden ausgepumpt.

Die Ortschaft Rehberg versank teilweise in kniehohem Schlamm. Hier waren die Einsatzkräfte vor allem damit beschäftigt, Kanaleinläufe von den Schlammassen freizulegen.

Das Sicherheitszentrum von Langenlois, in dem Feuerwehr, Gendarmerie und Rettung untergebracht sind, war ohne Strom. Es wurde von einem 200 kVA-Stromaggregat der der 14. KHD-Einheit mit Energie versorgt.

Bis Sonntag Vormittag (11. August 2002) standen die Feuerwehrkräfte aus dem Bezirk Mödling permanent im Katastropheneinsatz. Am Samstag etwa waren es 209 Feuerwehrleute mit 47 Fahrzeugen. Einsatzgebiete waren Rohrendorf, Brunn am Felde, Stratzdorf und Theiss.

Mit 44 Tauchpumpen, die von 21 Stromaggregaten gespeist werden, versucht man, das Wasser systematisch abzupumpen. Einsturzgefährdete Decken wurden gepölzt.

Die zweite große Flut

Noch war kein Ende des Katastropheneinsatzes in Sicht, als am Sonntag neuerlich heftige Niederschläge einsetzten. Tagelange Aufräumungsarbeiten der Feuerwehren wurden binnen weniger Stunden wieder zunichte gemacht.

Bereits den fünften Tag standen schlagkräftige Feuerwehreinheiten aus dem Bezirk Mödling am Montag, den 12. August 2002 in den überfluteten Katastrophengebieten im Einsatz. Obwohl am Sonntag, bis in die späten Nachtstunden zahllose Unwettereinsätze im eigenen Bezirk bewältigt werden mussten, eilten Montag um 4.30 Uhr früh planmäßig 152 Mann mit 32 Einsatzfahrzeugen der Bevölkerung in den Katastrophengebieten zu Hilfe.

Die diesmal in zwei starke Züge gegliederten Feuerwehrkräfte aus dem Bezirk Mödling waren im Gemeindegebiet von Grafenwörth eingesetzt. Hier rechnete man in den nächsten Stunden mit einem neuerlichen Ansteigen des Hochwassers. Die Bevölkerung wurde von der örtlichen Feuerwehr mit Lautsprecherwägen vor der drohenden Verschlechterung der Situation gewarnt.

Die Tätigkeiten der Mödlinger Feuerwehrkräfte waren gänzlich auf diese Bedrohungslage ausgerichtet: In einer Schottergrube wurden mehr als 4500 Sandsäcke gefüllt und zu gefährdeten Bereichen gebracht. Der östliche Ortsteil von Jettsdorf wurde mit Sandsäcken gegen das ansteigende Hochwasser gesichert. Der westliche Ortsteil stand bereits unter Wasser. Für die Sandsacktransporte der Feuerwehr mussten sogar Gendarmerieeskorten angefordert werden, da die verzweifelte Bevölkerung die Sandsäcke von den Lastfahrzeugen riss.

Mit einer Pumpenleistung von 12.000 Liter pro Minute versuchte man, neuralgische Bereiche zu halten. Ein verzweifelter und leider vergeblicher Kampf gegen die Naturgewalten.

Dramatische Rettungsaktion

Im Lauf des Tages spitzte sich die Situation in Grafenwörth zu. Donau- und Kamphochwasser umschlossen das Tullnerfeld. Die Evakuierung der Bevölkerung von St. Johann/Grafenwörth und Jettsdorf lief an. Die Feuerwehrleute aus dem Bezirk Mödling gingen von Haus zu Haus, informierten die Bewohner, boten Transporthilfe an und halfen den Betroffenen, die wichtigsten Habseligkeiten in Sicherheit zu bringen.

"Vielen waren in dieser Situation unwiederbringliche Dinge wie Fotoalben am wichtigsten", schildern die Feuerwehrleute aus dem Bezirk Mödling. Bei der Sicherung solcher Erinnerungsstücke brachten sich manche sogar in Lebensgefahr, sodass es Montag Nachmittag in Jettsdorf sogar zu einer dramatischen Rettungsaktion kam: Ein Mann, der in sein überflutetes Haus zurückgegangen war, wurde vermisst. Noch vor dem Eintreffen des angeforderten Schlauchbootes konnte er von Feuerwehrleuten aus dem Bezirk Mödling, die mit Wathosen ausgerüstet waren, in Sicherheit gebracht werden.

Obwohl oft bis auf die Haut durchnässt, waren die Feuerwehrleute hoch motiviert. Diese Motivation war in zahllosen Fällen die einzige verbleibende Stütze für die Opfer dieser Hochwasserkatastrophe.

Bezirk Mödling blieb verschont

Neben dem Einsatz in den Katastrophengebieten sorgten heftige Unwetter im Bezirk Mödling für Hochbetrieb bei den Feuerwehren. Von Katastrophensituationen blieb man hier jedoch verschont. Heftige Wolkenbrüche zogen am Sonntag, 11. August 2002, dutzende Feuerwehreinsätze (überflutete Keller, umgestürzte Bäume etc.) nach sich. Eine weitere kritische Phase zwei Tage später, am Dienstag, den 13. August: Schwechat, Triesting und Mödlingbach führten Hochwasser. In Guntramsdorf, Münchendorf und vor allem in Achau, wo die Gerinne bei den "Kaiserablässen" zusammen fließen, bestand die Gefahr von Überflutungen. In Achau wurden im Bereich der Unteren Ortsstraße Sandsackdämme errichtet. Mit dem Nachlassen der Niederschläge sanken die Pegelstände der Fluss- und Bachläufe nachmittags jedoch wieder. Die Gefahr war gebannt. Fast alle Feuerwehren des Bezirkes Mödling waren jedoch im Einsatz, um Keller auszupumpen, Verklausungen aus den Gerinnen zu beseitigen oder jene Schäden zu beseitigen, die orkanartige Sturmböen mit Spitzen bis zu 100 km/h anrichteten.

230 Mann in einer Schlammschlacht

Nach dem Ende der zweiten großen Katastrophenflut standen am Donnerstag, 16. August 2002, neuerlich 230 Mann der 14. Katastrophenhilfsdienst-Bereitschaft aus dem Bezirk Mödling mit 47 Fahrzeugen im Raum Strengberg, Bezirk Amstetten, im Einsatz. Bei der Hochwasserkatastrophe war dies nach Krems und Tulln bereits der dritte niederösterreichische Bezirk, in dem Kräfte aus Mödling halfen.

45 von 60 Objekten - hauptsächlich Bauernhöfe - säuberte die 14. KHD-Bereitschaft von den Rückständen des Donau-Katastrophenhochwassers. Seite an Seite mit örtlichen Feuerwehrkräften sowie mit Feuerwehren aus Vorarlberg und Tirol.

Die Katastrophenhelfer aus dem Bezirk Mödling waren unter anderem mit 5 Rüstfahrzeugen, 11 Tanklöschfahrzeugen und einem Schadstofffahrzeug angerückt. Auf vier Anhängern wuden zusätzliche Tauch- und Schmutzwasserpumpen, Wassersauger, Hochdruckreiniger, Schanzwerkzeuge sowie ein Kleinbagger (Bobcat) mitgeführt. Die Mödlinger KHD-Einheit agierte wie bei allen ihren Einsätzen als "Selbstversorger" völlig autark. Ihre Einsätze im Katastrophengebiet wurden über einen eigenen Führungsstab und eine mobile Funkleitstelle koordiniert.

Die Arbeiten sind am besten mit dem Wort "Schlammschlacht" zu charakterisieren. Die Einsatzkräfte wateten durch bis zu knietiefen Schlamm und Morast, den die Wassermassen zurück gelassen hatten. An den Gebäuden in diesem Gebiet ist schwerster Schaden entstanden. Das Donauhochwasser war mit 3 Meter um 1,5 Meter höher gestanden, als beim Hochwasser 1954 und hatte sogar die ersten Stockwerke der Gebäude überflutet. Sämtliche Einrichtungen und Geräte, die von den Bewohnern dorthin in "Sicherheit" gebracht wurden, sind vernichtet. Viele Bewohner in Strengberg-Au stehen vor dem Nichts.

Urlaub, um helfen zu können

Um helfen zu können, haben sich die meisten Freiwillige Feuerwehrleute Urlaub genommen. Viele verständnisvolle Arbeitgeber stellten Feuerwehrleute jedoch auch für den Katastropheneinsatz frei. Ihnen gilt im Namen der Katastrophenopfer der Dank des Bezirksfeuerwehrkommandos Mödling.

Mit dem persönlichen Arbeitseinsatz sind die Leistungen der Feuerwehren des Bezirkes Mödling für die Hochwasseropfer noch lange nicht erschöpft. Mehrere Spendenaktionen wurden spontan ins Leben gerufen. 11 Feuerwehrleute aus dem Bezirk Mödling (Guntramsdorf, Brunn und Mödling) saßen am Samstag, den 17. August während der Benefiz-Gala des ORF von 18 bis 1 Uhr früh an den Telefonen der Hochwasser-Spendenhotline in der Telekom-Zentrale in Wien.

Dank an die Einsatzkräfte

"Wir Feuerwehrleute aus dem Bezirk Mödling haben vielen Menschen in den Katastrophenregionen helfen können. Das ist für uns Einsatzkräfte der schönste Lohn", meint der Kommandant der 14. KHD-Bereitschaft, Hauptbrandinspektor Karl Sommerbauer (Kommandant der FF Maria Enzersdorf).

Bezirksfeuerwehrkommandant Oberbrandrat Franz Koternetz: "Obwohl der Bezirk Mödling der kleinste in Niederösterreich ist und dessen Feuerwehren durch eigene Einsatztätigkeiten stark belastet sind, konnten wir mit bestens geschulten Helfern und modernen technischen Geräte effiziente Hilfe leisten. An alle eingesetzten Feuerwehrleute ein aufrichtiges Danke schön!"

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